Die Feuerwache an der Breiten Straße

In Kürze wird die Stadt Potsdam mit dem Abriss der alten Feuerwache in der Werner-Seelenbinder-Straße beginnen. Hier sollen mehr als 300 Wohnungen entstehen. Grund genug, noch einmal einen kurzen Blick auf das Gebäude und seine Geschichte zu werfen.

Feuerlöschen ist Bürgerpflicht

Feuerwachen gab es in Potsdam bereits seit 1862. Zwei Jahre zuvor waren bei einem verheerenden Brand in der Junkerstraße 50 drei Kinder und ein Mann ums Leben gekommen. Waren bis dahin die Bürger verpflichtet, Löscharbeiten zu leisten, so wurde nun also eine Berufsfeuerwehr gegründet. Das erste „Feuerwachlokal“ entstand auf dem Gelände des Besskow’schen Schuppens – einer Fläche hinter den Häusern des sogenannten „Kleinen Holländischen Viertels“ an der Französischen Kirche.

Diese erste Wache verfügte über zwei mit Pferden bespannte Spritzen, einen Wasserwagen, einen Apparatewagen und eine sogenannte fahrbare Tiene – einen großen rollbaren Holzbottich. Zehn Mann versahen dort täglich ihren Dienst. Für die Löschwasserzufuhr sorgten zwei Pumpen auf sogenannten Prähmen – kleine Schiffe mit einem flachen, schnittigen Rumpf. Diese lagen auf der Havel in der Nähe der Heiliggeistkirche und auf dem Stadtkanal an der Breiten Brücke vor Anker. An den Pumpen waren rund 200 Meter lange Schläuche aus Leder angeschlossen, die den Wasserstrahl rund 300 Meter weit werfen konnten.

Da der Standort an der Französischen Kirche schnell den Anforderungen nicht mehr gerecht wurde, zog die Feuerwache 1867 in ein neues Domizil um. Dieses befand sich auf dem Hof der Königlichen Provinzial-Gewerbeschule (der Vorläuferin des heutigen Humboldt-Gymnasiums) in der Straße Am Kanal Nr. 66. Bereits ein Jahr zuvor war die Aufsicht von der Polizeidirektion auf den Magistrat der Stadt Potsdam übergegangen.

Die erste „echte“ Feuerwache

Die erste, speziell für den Dienst der Feuerwehr, erbaute Wache entstand im Jahre 1894 an der Moltkestraße (heutige Hebbelstraße), unweit des ersten Standortes. Das Gebäude wurde während des Bombenangriffs auf Potsdam am 14. April 1945 schwer beschädigt. Unter der Hinzunahme des 1929/30 von Reinhold Mohr errichteten früheren Depots der Stadtreinigung konnte bis 1950 der Wiederaufbau der Feuerwache abgeschlossen werden.

Schon 1926 war auch in Babelsberg eine Feuerwache (Stephenson- / Ecke Anhaltstraße) eröffnet worden, in der ab 1928 neben der Löschfahrzeugen auch Omnibusse des Babelsberger Stadtverkehrs und später auch O-Busse untergebracht wurden. 1952 wurde diese Wache aufgegeben und die Ausrüstung zentral in der Hebbelstraße zusammengefasst.

Die Feuerwache an der Breiten Straße

Mit der Erweiterung des Aufgabengebietes der Potsdamer Berufsfeuerwehr auf die Umlandgemeinden wird auch ein Ausbau der Kapazitäten notwendig. 1958 beginnen die Planungen für eine neue Feuerwache an der Werner-Seelenbinder-Straße. Im Zuge des Luftangriffes vom April 1945 waren der Lange Stall und die angrenzende Bebauung an dieser Stelle zerstört worden, so dass ausreichend Platz für eine moderne Wache vorhanden war. 1962 begannen die Bauarbeiten, die im Januar 1964 abgeschlossen werden konnten. Insgesamt standen 2 Millionen Mark für den Neubau zur Verfügung, der zum Zeitpunkt seines Baus die modernste Feuerwache der DDR war.

Das nunmehr zum Abriss vorgesehene, dreistöckige Gebäude verfügt im Erdgeschoss über eine zehnständige Wagenhalle, die von beiden Seiten mit großen automatischen Toren verschlossen wird. Darüber befinden sich zwei Etagen Räume für die Leitstelle, Unterkunfts- und Schulungsräume, eine Kantine und weitere Funktionsräume. Der Hof wird ergänzt durch einen Schlauchtrockenturm, der zugleich auch als Ausbildungsturm genutzt wurde, sowie durch Garagen und Werkstattbauten.

1992 wurde die Wache um vier Garagen und einige Büroräume ergänzt, die in provisorischen Containerbauten untergebracht wurden. Mit der Einweihung der neuen Feuerwache auf dem Standort des früheren Straßenbahndepots in der Holzmarktstraße hat die Feuerwehr im Januar 2010 das Gelände verlassen. Seit 2011 nutzt die Jüdische Gemeinde Potsdams die provisorischen Räume in den Containern als Gemeindehaus.

 

Fritz und Peter - Deine Stadtführer für Potsdam

Quellen:
http://www.feuerwehr-potsdam.de
http://www.pnn.de
http://www.potsdam-wiki.de
MACHEL, W.-D.; GÜNTHER, M.: Potsdamer Nahverkehr. München. 1999.
WERNICKE, T.; GÖTZMANN, J; WINKLER, K.: Potsdam Lexikon. Berlin. 2010.

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