Ein bayerischer Narziss

Etwas versteckt im Prinzenhof des Schlosses Cecilienhof trifft der Besucher auf einen Brunnen, der eine wohlbekannte Persönlichkeit der griechischen Mythologie darstellt – Narziss. Der Jüngling betrachtet, auf dem Rand des Brunnens sitzend, sein eigenes Spiegelbild.

Die Legende

Narziss war der von Frauen wie Männern zugleich umworbene Sohn des Flussgottes Kephissos und der Wassernymphe Leiriope. Von seiner eigenen Schönheit erfüllt, wies er alle Verehrer von sich. Am vehementesten stellte ihm Ameinios nach, dem Narziss ein Schwert sandte und damit dessen Liebe zurückwies. Ameinios verfluchte daraufhin Narziss, bevor er sich mit dem Schwert selbst tötete.

Nemesis, die Göttin des gerechten Zorns (andere Quellen nennen Artemis die Göttin der Jagd, des Waldes und des Mondes) erhörte die fluchende Bitte des Ameinios und strafte Narziss mit einer unerfüllbaren Selbstliebe. Als Narziss eines Tages sein Spiegelbild in einer Quelle erblickte, verliebte es sich darin. Er erkannte, dass seine Selbstliebe zwecklos sein würde, stieß sich daraufhin einen Dolch in die Brust und starb. Seinem Blute entsprang dann jene Blume, die wir heute als Narzisse kennen.

Narziss von Caravaggio
Narziss von Caravaggio, 1598/99. Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom. Quelle: Wikipedia

Der Brunnen des Narziss in Potsdam

Ähnlich dem früheren Denkmal Friedrichs des Großen auf der Plantage ist der Potsdamer Narziss-Brunnen kein Unikat – im Gegenteil: Narziss hat einen bayerischen Bruder.

Auf der „VII. Internationalen Kunstausstellung im königlichen Glaspalaste zu München“ wurde im Jahre 1897 unter der Katalognummer 2394 in Saal Nr. 3 eine Skulptur zum Kauf angeboten, die den einfachen Titel „Narziss“ trug. Bildhauer war der Münchner Hubert Netzer (1865-1939). Die Stadt München entschied sich zum Kauf des Brunnens und ließ ihn 1896 vor dem kleinen Arkaden- und Laubengang des Bayerischen Nationalmuseums aufstellen, wo sie sich bis heute befindet.

Kurze Zeit später hat Netzer das Motiv noch einmal gießen lassen und bot es auf der Berliner Kunstausstellung im Jahre 1903 erneut an. Der Katalog führt das Werk hier mit der Nummer 1237. Diesmal muss das Kaiserhaus höchstselbst auf die Bildhauerarbeit aufmerksam geworden sein und erwarb sie für den Rosengarten der Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) unweit des Neuen Palais im Park Sanssouci. Hier wurde der Brunnen im Jahre 1904 aufgestellt.

Der Rosengarten verkümmerte in den Jahren nach der Monarchie und dem Krieg und ist heute als solcher kaum mehr erkennbar. Da eine Rekonstruktion der Anlage nicht geplant war, wurde 1976 entscheiden, den Brunnen an einen anderen Standort zu verbringen. So fand Narziss seinen heutigen Standort im Prinzenhof des Schlosses Cecilienhof. Ihm wird es reichlich egal sein, nimmt er seine Umgebung vor lauter Selbstverliebtheit ohnehin nicht wahr.

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Quellen:

WACKER, J.: Georg Potente (1876–1945): die Entwicklung vom Gartengestalter zum Gartendenkmalpfleger zwischen 1902 und 1938 in Potsdam-Sanssouci. Dissertation an der Universität Potsdam. Potsdam. 2004.

http://www.tinyurl.com/katalog-kunstausstellun
http://www.muenchenwiki.de/wiki/Narzissbrunnen
http://www.digishelf.de/objekt/71859374X-1903/99/#topDocAnchor
http://www.de.wikipedia.org/wiki/Hubert_Netzer

 

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