Potsdamer Detail – Eine Uhr aus dem Wohnzimmer des Soldatenkönigs

Im Rahmen eines Vortrages über den DDR-Städtebau in Potsdam brachte Thomas Wernicke (Leiter des Bereichs Ausstellungen beim Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte) das Fragment einer Telleruhr mit, welche bis 1945 im früheren Wohnzimmer des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740) hing. Die Messbildaufnahmen des Jahres 1912 zeigen eben jene prächtige Uhr an der Wand neben einem ebenso beeindruckenden Kamin hängen.

Bei dem Fragment handelt es sich um den in Blech getriebenen Prospekt, also die Schauseite der Wanduhr. Das Zifferblatt ist vollständig erhalten und zeigt die Stunden in großen römischen Ziffern, die Minuten in kleinen arabischen. Außerdem lassen sich verschiedene bedeutungsvolle Tiere erkennen. So in der Mitte des Zifferblatts ein doppelköpfiger Adler, rechts davon ein Löwe und im oberen Bereich des Prospektes ein Vogel mit einem Zweig.

Fragment einer Telleruhr aus dem Wohnzimmer Friedrich Wilhlems I. im Potsdamer Stadtschloss.
Fragment einer Telleruhr aus dem Wohnzimmer Friedrich Wilhlems I. im Potsdamer Stadtschloss.

Das Fragment entstammt der Bergung von ca. 2.000 Fundstücken aus den Wällen des ehemaligen Ernst-Thälmann-Stadions, welches im Jahre 2000 abgetragen wurde. Die Stadionwälle und die Baugrube für eine Versorgungsleitung (Grabung 2001) gaben Bruchstücke des Stadtschlosses und zahlreicher Bürgerhäuser frei, die im Zuge des Stadionneubaus zwischen 1947 und 1949 dorthin verbracht wurden.

Die Wohnung des Soldatenkönigs befand sich im West- bzw. Lustgartenflügel des Stadtschlosses und bestand aus einem Vor-, Wohn- und Schlafzimmer. Er selbst dürfte diese Uhr jedoch nie gesehen haben, sie kam wohl vielmehr erst um 1840 in das Zimmer. Damals wurden die bis dahin fast unveränderten und äußerst schlichten Gemächer in ein Gästewohnung mit Möbeln des 18. Jahrhunderts umgewandelt.

Lage der Wohräume Friedrich Wilhelms I. im Potsdamer Stadtschloss.
Lage der Wohräume Friedrich Wilhelms I. im Potsdamer Stadtschloss.

Leider ist bis heute nichts über die Herkunft und das Alter der Uhr bekannt. Der Katalog zur Ausstellung „Minervas Mythos – Fragmente und Dokumente des Potsdamer Stadtschlosses“ zeigt die Uhr noch im nicht-restaurierten Zustand. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, untersuchte, restaurierte und konservierte Manuela Henning-Giese die Uhr im Jahre 2001 im Erhaltungszustand.

 

Fritz und Peter - Deine Stadtführer für Potsdam

 

Quellen

GIERSBERG, H.-J.: Das Potsdamer Stadtschloss. Potsdam. 1998.

KIRSCHTEIN, J.: Das Potsdamer Statschloss. Vom Fürstensitz zum Landtagsschloss.Berlin-Brandenburg. 2014.

Stiftung Preußische Schösser und Gärten Gärten Berlin-Brandenburg; Untere Denkmalschutzbehörde der Landeshauptstadt Potsdam (Hrsg.): Minervas Mythos. Fragmente und Dokumente des Potsdamer Stadtschlosses. Austellungskatalog. Berlin. 2001.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.