Markus Manlius erobert das Stadtschloss

Seit dem heutigen Vormittag ist das Potsdamer Stadtschloss um eine Figur reicher: auf dem westlichen Kopfbau am Alten Markt ist nun auch die dritte Skulptur zurück. Nachdem im April 2016 bereits Herkules und ein Jüngling wieder aufgestellt wurden, ist nun auch Markus Manlius wieder da. Erstmals ist damit eine Skulptur aufgestellt worden, die gänzlich neu geschaffen werden musste. Das Original, welches Johann Gottlieb Heymüller 1751 im Auftrag Friedrichs II. in Stein meißelte, hatte den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden.

Nur ein Jüngling oder doch mehr?

Lange rätselte man im Zuge der Wiederherstellung, um wen es sich bei der dargestellten Person handeln könne. Fragen warf vor allem das Tier auf, welches dem Jüngling beigegeben war. Zunächst ging man von einer Kröte oder einem Frosch aus, erkannte dann jedoch auf den wenigen erhaltenen Bildern tatsächlich eine Gans. Das ergibt Sinn. Friedrich der Große hatte ein ausgefeiltes Figurenprogramm für das Stadtschloss entwickelt, welches dem Betrachter Auskunft gab, über des Königs Konzept der Staatsführung. So auch diese Figur, die inzwischen als Markus Manlius erkannt wurde.

Die Gänse des Kapitols und der Aufstieg und Fall eines Helden

Der römische Patrizier Marcus Manilius Capitolinus (gest. 384 v. Chr.) gilt als der Retter des Kapitols. Nachdem die Römer im Jahr 387 v. Chr. eine vernichtende Niederlage an der Allia gegen die Gallier (Kelten) hinnehmen mussten, drangen diese unter Führung des Brennus nach Rom ein und zündeten große Teile der Stadt an. Zahlreiche Bewohner ergriffen die Flucht vor den plündernden Angreifern. Einige flohen zusammen mit Manlius auf das Kapitol, den Burgberg Roms. Hier gab es seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. eine Fluchtburg nahe des Tempels der Göttin Juno Moneta, deren heiliges Tier die Gans war. So wurde im Heiligtum auch eine Schar des Federviehs gehalten.

Es war des Geschnatter der kapitolinischen Gänse, welche Markus und sein Gefolge weckten und sie so die gallische Erstürmung bemerken ließen. Markus Manlius war mit seinen Verteidigern in deutlicher Unterzahl und begann mit den Angreifern zu verhandeln. Er bewegte die Gallier gegen die Zahlung der stolzen Summe von 1.000 Pfund Gold zum Abzug und konnte so das Kapitol retten. Die Schutzpatronin Juno, die mit ihren heiligen Gänsen den Fall des Kapitols verhindert hatte, nannte man fortan „Mahnerin“ oder „Warnerin“ und die Gänse wurden zum Symbol der Wachsamkeit.

Manlius‘ Ruhm stieg ihm jedoch schnell zu Kopfe und dauerte nicht lange an. Angeklagt, nach dem Königstitel zu streben, wurde er 384 v. Chr. zum Tode verurteilt und vom Tarpejischen Felsen gestürzt. Dieser Westhang des Kapitols war Ort des Heiligtums der Totengöttin Tarpeia und traditionell für Hinrichtungen genutzt.

Übermut kommt vor dem Fall

Die Aufstellung der Skulptur an solch prominenter Stelle des Schlosses, zeigt deutlich Friedrichs Intention – eine Warnung vor dem Ruhm, der schnell zu Übermut führt. Und dieser kommt bekanntlich vor dem Fall.

Wie bereits die Jünglingsfigur auf der gegenüber liegenden Seite, ist auch die neue Skulptur dank einer Spende des Ehepaars Wilhelmy zustande gekommen. Die Skulptur wurde im Auftrag des Vereins Potsdamer Stadtschloss e.V. vom Bildhauer Andreas Klein gänzlich neu geschaffen. Die nächste Figurenaufstellung findet am Dienstag, 18. September zwischen 15:00 und 16:00 Uhr statt. Dann kommt die erste große Adlergruppe auf dem östlichen Galeriegeschoß des Fortuna Portals zum Stehen.

Hier ein paar Impressionen von der heutigen Aufstellung des Markus Manlius.

 

Fritz und Peter - Deine Stadtführer für Potsdam

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Andreas sagt:

    Einfach toll…Danke für die schönen Bilder!

    1. Robert Leichsenring sagt:

      Vielen Dank. Das hört man gern.

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