Ägypten auf dem Alten Markt

Obelisken waren im alten Ägypten ein wichtiges Symbol für den Kult um den Sonnengott Re. Derartige Säulen symbolisierten die steingewordenen Strahlen des Sonnengottes und der Umlauf ihres Schattens zeigte die tägliche Fahrt seiner Sonnenbarke von Ost nach West an. Sein Auf- und Untergang waren genau zu beobachten und zu berechnen und machten den Sonnengott so auch zum Sinnbild der Weltordnung, zum Hüter des Rechts und der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Obelisken wurden daher auch als glückbringende Zeichen paarweise vor dem Hauseingang aufgestellt und zu gleichem Zweck auch in Gräbern vor dem (in die Unterwelt führenden) Portal. Bei Regierungsjubiläen eines Herrschers wurden Obelisken zumeist in größerem Maßstab errichtet.

Nach ihrem Sieg über Ägypten verschleppten die Römer zahlreiche Obelisken als Siegestrophäen nach Rom. Einige wurden im frühen Mittelalter wegen ihres „heidnischen“ Ursprungs zerstört oder zerfielen, andere wurden später wieder aufgestellt.

Zahlreiche ägyptische Obelisken haben in Rom eine neue Heimat gefunden.
Fotos: R. Leichsenring.

Der Obelisk auf dem Alten Markt in Potsdam

Potsdams Obelisk auf dem Alten Markt ist zwar kein ägyptisches Original, seine Wurzeln reichen jedoch ebenfalls bis an den Nil. Die abwechslungsreiche Geschichte der Knobelsdorffschen Stele – oder besser gesagt Stelen – soll nun kurz erzählt werden. Denn soviel sei schon vorweg genommen: auf dem zentralen Platz in Potsdam stand über die Jahrhunderte mehr als ein Obelisk.

Diese Vedute von Johann Friedrich Meyer aus dem Jahre 1772 zeigt den Obelisken in seiner ersten, ursprünglichen Form mit den Bocksköpfen, den Girlanden und  dem Podest aus Sandstein. Quelle: SPSG, www.brandenburg.museum-digital.de

Im Jahre 1753 erteilte Friedrich II. (1712–1786) seinem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699–1753) den Auftrag, am Schnittpunkt aller Achsen der damaligen Nikolaikirche, des Rathauses und des Palais Barberini auf dem Alten Markt einen Obelisken zu errichten. Zum Entwurf Knobelsdorffs lieferte Johann Gottlieb Heymüller (1715–1763) ein bemaltes und in den Farben der gedachten Marmorsorten lackiertes Holzmodell. Beides fand, wie Heinrich Ludwig Manger schreibt, den Beifall des Königs. Weiter berichtet er, dass die Höhe des Obelisken „vier und achtzig Fuß [26,36 Meter] betragen [sollte]; es ward auch danach angefangen zu arbeiten und das Postament zustande gebracht.“1 Da Friedrich jedoch eine Beeinträchtigung der Sicht vom Schloss auf die zeitgleich entstehende Schmuckfassade der Nikolaikirche (im Volksmund ironisch „Vorhemdchen“ genannt) befürchtete, musste die Säule gekürzt werden. Sie wurde schließlich bei 73,11 Rheinländischen Fuß (25,78 Meter) gekappt und verdankt diesem Umstand auch den für einen Obelisken ungewöhnlichen flachen Abschluss.2 Wegen der aufwendigen Bearbeitung des Marmors zogen sich die Arbeiten am Obelisken bis zum Jahre 1755 hin.

Neben dem teuer zu importierenden weißen Marmor aus Carrara, ließ Friedrich vor allem roten Marmor aus Kauffung in Schlesien (heute Wojcieszów) für den Obelisken herbeischaffen. Dieser Stein, der sich vor allem durch sein ungünstiges Verwitterungsverhalten „auszeichnet“, wurde ab 1747 im frisch eroberten Schlesien abgebaut und kam fast ausschließlich im Raum Berlin / Brandenburg zum Einsatz. Der Obelisk auf dem Alten Markt gehörte somit neben der Neptungrotte von Sanssouci (erbaut 1751–1757) und der nicht mehr vorhandenen Marmorkolonnade im Rehgarten des gleichen Parks (erbaut 1751–1762) zu den frühesten in Kauffunger Marmor ausgeführten Bauwerken.3

Der Aufbau

Der Sockel wurde auf einem schräg anlaufenden Podest aus Sandstein errichtet. Er bestand aus einer Plinthe aus dem genannten rötlichen Kauffunger Marmor, welche wiederum ein Fußgesims aus Carrara-Marmor trug. Das Gesims war mit Girlanden aus Eichenblättern sowie Schädeln geschmückt, die der Bildhauer Johann Melchior Kambly (1718–1783) für achthundert Taler4 schuf. Ihm folgt ein würfelförmiger und mit Spiegeln verzierter Baukörper ebenfalls aus rotem Kauffunger Marmor. An seinen vier Ecken stand jeweils eine männliche, in das Gewand eines antiken Redners oder Philosophen gekleidete Skulptur aus weißem Carrara-Marmor.

Abgeschlossen wird der insgesamt 6,28 Meter hohe Sockel durch ein stark hervorragendes Gesims, auf dem vier Sphingen liegen. Auch sie waren aus dem rötlichen Kauffunger Marmor gefertigt.5

Den unteren Teil des eigentlichen Obelisken schmückten vier Herrscherporträts in Form von Medaillons. Dies waren im einzelnen der Großen Kurfürst, König Friedrich I., Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. selbst. Anders als bei den Obelisken des Neustädter Tores oder am Eingang von Sanssouci war die Säule auf dem Markt nicht aus Steinblöcken zusammengesetzt, sondern bestand im Kern aus gemauerten Ziegeln. Die teuren Marmorteile dienten lediglich der Verkleidung.6

Obelisk-freigestellt

Die Vorlage

Hans-Joachim Giersberg sah es als wahrscheinlich an, dass Knobelsdorff Anregungen für seinen Entwurf einer Abbildung aus der 1721 in Wien erschienen Publikation „Entwurff Einer Historischen Architectur“ des österreichischen Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach (1756–1723) entnahm. Diese zeigt ein ägyptisches Grabmal welches ebenfalls hoch aufragende Skulpturen und Sphingen aufweist. Knobelsdorff kombinierte demnach die beiden ägyptischen Architekturen des Grabes und des Obelisken und deutete zudem das Monument auch in Hinblick auf die Potsdamer Bauten des Alten Marktes klassizistisch-barock um.7

Vorlage für den Potsdamer Obelisken
Abbildung eines ägyptischen Grabmals im „Entwurff Einer Historischen Architectur“ des österreichischen Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach (1756–1723). Quelle: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fischer1725/0041

Besonders bemerkenswert sind bis heute die Redner-Skulpturen Heymüllers, die schon eindeutig klassizistische Züge trugen und im Reigen der barocken Skulpturen ringsum einen modernen Akzent setzten.8 Die 2,50 Meter hohen Figuren kosteten 2.800 Taler.

Die vier Eckskulpturen des Obelisken. Fotos: R. Leichsenring.

Die vier unterschiedlichen Sphingen Johann Peter Benkerts (1709–1765) hingegen zeigen noch eindeutig barocke Elemente. Sie wirken, so Giersberg, wie „zarte Wesen, die den Betrachter nicht erschaudern lassen; ihre gewinnende Individualität macht sie geradezu anziehend.“9 Benkert berechnete der königlichen Schatulle für die Arbeiten 1.800 Taler

Die vier Herrscherbildnisse aus rotem Marmor und mit einem Durchmesser von jeweils 1,88 Metern schuf der aus Berlin stammende Bildhauer Benjamin Giese (1705–1755), der sich wiederum an antiken Kameen orientierte. Hierbei handelt es sich um Schmucksteine bei denen der Hintergrund des Bildmotivs weggeschnitten wird und das Motiv wie ein Relief aus dem übrigen Stein herausragt. Die Kosten für die Bildnisse beliefen sich auf 700 Taler.

Die Idee

Die römischen Veduten Piranesis dienten nicht nur Friedrich II. als Vorlage. Hier die später in Potsdam am Alten Markt umgesetzte Ansicht der Santa Maria Maggiore und der Mariensäule. Ihre Rolle übernahm in Potsdam der Obelisk. Quelle: www.let.leidenuniv.nl

Stammt auch der Entwurf zum Obelisken selbst von Knobelsdorff, so geht die Idee, überhaupt ein solches Monument auf dem Platz zu errichten, sicher auf Friedrich selbst zurück. Die Stiche des gebürtigen venezianischen Architekten, Künstlers und Archäologen Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) dienten Friedrich als Inspirationsquelle. Dazu gehörte auch die Veduta della Basilica di Santa Maria Maggiore (Abb. oben), die nicht nur der Schaufassade der Nikolaikirche als Vorbild diente. Thomas Sander verweist darauf, dass an dieser Stelle des Alten Marktes „nicht nur eine Fassade, sondern ein ganzes Stadtbild in verkleinertem Maßstab nachempfunden“10 wurde. Wie bei allen friderizianischen Bauten ist jedoch auch hier keine bloße Kopie der italienischen Stiche erfolgt, sondern eine ganz eigene Potsdamer Lösung gefunden worden.

Johann Meyers Gemälde „Potsdam, Nikolaikirche auf dem Alten Markt mit Barockfassade“ macht die Parallele zur römischen Vorlage deutlich. Und doch ist in Potsdam ein ganz eigener Stadtraum entstanden. Quelle: Wikipedia.

Mit der Errichtung des Obelisken auf dem Alten Markt folgt Friedrich II. zudem der in Renaissance und Barock entwickelten Herrscherikonografie und erinnert an die eroberten ägyptischen Obelisken in Rom (s. Abb. ganz oben). Die Herrscherbildnisse sollten zugleich eine Demonstration der politischen Macht Brandenburg-Preußens darstellen.11 In dieser Intention korrespondierte die steinerne Säule auch mit dem „Potsdamer Königstor“, dem Fortunaportal des Stadtschlosses.12 Tatsächlich hatte Knobelsdorff zunächst geplant, im Zuge des Umbaus des Stadtschlosses das Fortunaportal durch einen Portalbau mit einem monumentalen Obelisken zu ersetzen. Da Friedrich II. jedoch an dem ursprünglichen Portal Jean de Bodts festhielt, wurde dieser Plan nicht realisiert.13

Kein Bauwerk für die Ewigkeit

Im Gegensatz zu manchem ägyptischen Obelisken war das Potsdamer Pendant nicht für die Ewigkeit bestimmt. Schon kurz nach der Errichtung des Obelisken werden die baulichen Mängel, die vielen Bauten Friedrichs anhaften, deutlich. Manger schreibt dazu:

„Da indessen der Kauffunger Marmor aus Schlesien, aus welchem der Obelisk hauptsächlich bestehet, sehr stichig und unganz ist, folglich von der Witterung leicht zerstöret werden kann, auch der innere Kern desselben, aus Sparsamkeit, nicht von Sandstein gemacht, sondern mit Mauerziegeln ausgemauert ist: so wird dessen Umarbeitung und neue solide Aufführung nächstens erfolgen müssen, ungeachtet seit der ersten Aufführung noch nicht volle vierzig Jahre verflossen sind, und man von einem dergleichen marmornen Denkmal doch wenigstens vierhundert Jahre Dauer hätte verhoffen können.“14

Tatsächlich waren es vor allem Wärmespannungen, Frost und Feuchtigkeit die das Bauwerk auseinander trieben.15

Es ist nicht bekannt, ob in den Jahren nach Manger tatsächlich eine gründlichere Instandsetzung stattgefunden hat, zumindest das Fußgesims muss jedoch erneuert worden sein. Wann genau diese Erneuerung stattgefunden hat, lässt sich nicht sagen. Das Gemälde Johann Wilhelm Gottfried Barths (1779–1852) von 182316 zeigt den Obelisken jedenfalls bereits ohne die Bocksköpfe und Eichenblätter am Fußgesims (s. Abb unten).

Der Alte Markt in Potsdam nach Südosten mit Altem Rathaus und Palast Barberini. Quelle: Wikipedia.

Die Ausbeutung der Marmorsteinbrüche in Kauffung war, nicht zuletzt wegen der schlechten Qualität des Steins, bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wieder eingegangen und ein gleichartiges Material für den Obelisken kaum zu beschaffen. Daher wurde die Stele über die Jahre hinweg nur mit Zementmörtel ausgebessert. Beschädigte Teile der Figuren wie Arme und Köpfe wurden ebenfalls in Zement ergänzt und trotzdem fielen immer wieder Teile herunter und gefährdeten Passanten und Händler. In den 1840er Jahren wurde deswegen zwischenzeitlich erwägt, den Obelisken abzubauen und im Park Sanssouci neu zu errichten.

Es dauert bis 1893 bis der in Teilen noch originale friderizianische Obelisk einer grundlegenden Instandsetzung unterzogen wurde. Zunächst gelang es, aus Kauffung mehrere noch vorhandene Marmorblöcke nach Potsdam zu überführen. Sie waren groß genug, um in Platten für die Verkleidung geschnitten zu werden.

Ein Artikel im „Centralblatt der Bauverwaltung“ vom August 189317 gibt Aufschluss über die damals vorgenommenen weiteren Arbeiten. Zunächst wurden demnach alle verwitterten Teile entfernt und anschließend die zahlreichen Risse im Marmor mit sogenanntem „Knittelfelder Kitt“ ausgespachtelt. Vermischt mit Marmorgrus hatte er die entsprechende rötlich Färbung des ursprünglichen Materials angenommen. Als nächster Schritt wurde die gesamte Oberfläche des Obelisken mit dem Kitt eingerieben und nach dem Trocknen geschliffen. Das gleiche Verfahren wendete man für die Sphingen und die Herrscherbildnisse an. Lediglich die vier Eck-Karyatiden waren nicht mehr zu verwenden. Sie wurden gänzlich neu geschaffen. Dazu griffen die Bildhauer wieder auf Carrara-Marmor zurück.

Der Sockel unterhalb der Marmor-Plinthe wurde ebenfalls gänzlich neu gebaut und nunmehr in Postelwitzer Sandstein ausgeführt. Der ursprünglich aus Sandstein gefertigte Auslauf entstand zudem in Granit neu. Am gemauerten Kern der Säule wurde jedoch offensichtlich nichts verändert.

Finanziert wurden die 21.000 Mark teuren Arbeiten aus dem „Allerhöchsten Dispositionsfonds“ des Kaisers. Der Autor des Artikels nennt diese Instandsetzung die letzte, die der Obelisk erlebt. Er sollte damit recht behalten.

Den Krieg überstanden und doch verschwunden

Im Zuge des Bombenangriffs auf Potsdam und der kurz darauf folgenden Kämpfe wurde auch der Obelisk schwer in Mitleidenschaft gezogen. Während die vier Medaillons mit den Königen allesamt noch vorhanden waren, blieb nur noch die östliche der vier Sphingen schwer beschädigt übrig. Sie hat bis heute auf dem Schirrhof der Schlösserstiftung überdauert. Von den restlichen waren nur Fragmente geblieben.

Die östliche Sphinx hat bis heute auf dem Schirrhof der Schlösserstiftung überlebt.
Sie zeigt deutlich die Spuren der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Fotos. R. Leichsenring.

Die vier Eckskulpturen waren allesamt aus ihren Nischen gerissen und lagen auf dem Alten Markt. Die Marmorverkleidung war durch Einschüsse und Granatsplitter vielfach abgefallen und an vielen Stellen lag das Mauerwerk des Kerns offen. In diesem fast schon antik anmutenden Zustand verblieb der alte Obelisk auf dem Markt bis zum Jahre 1969 und wurde dann abgetragen. Damit waren auch die letzten Reste die ursprünglichen friderizianische Säule gänzlich verschwunden.

Obelisk Potsdam
Max Baur (1898 – 1988) dokumentiert um 1947 diesen abgestürzten und kopflosen Philosophen. Quelle: Wikipedia.

Gut zehn Jahre später kehrte ein äußerlich auf den ersten Blick identischer Obelisk auf den alten Markt zurück. Auch sein Kern war gemauert und roter und weißer Marmor verkleideten die antik anmutende Säule. Und doch wies der 1978/79 neu errichtete Obelisk einige Unterschiede zum Vorgänger auf. Dies betraf zunächst das verwendete Material: weißer Marmor aus Carrara war zu DDR-Zeiten kaum zu bekommen, er wurde durch solchen aus Jugoslawien ersetzt. Der Kauffunger Marmor fand ebenfalls keine weitere Verwendung – an seiner Stelle wurde sowjetischer Marmor verbaut.

Im Zuge der Neuerrichtung wurde der Sockelbereich wieder dem Original von 1755 angeglichen. Die im 19. Jahrhundert verlorenen gegangenen Bocksschädel und Eichenlaubgirlanden an der Plinthe wurden rekonstruiert und man griff auf die ursprünglichen Grundmaterialien – Sandstein für den schrägen Auslauf des Sockels und roten Marmor für das Postament – zurück.

Die vier beschädigten aber erhaltenen Standskulpturen des Sockels wurden ergänzt und kamen erneut zum Einbau. Nicht von Anfang an fanden die vier neu gefertigten Sphingen Platz auf dem Gesims. Sie wurden erst Anfang der 1980er Jahre aufgesetzt. Die plastischen Modelle aller bildhauerischen Werke am neuen Obelisken wurden von Rudolph Böhm geschaffen und dann zusammen mit Walter Rentzsch umgesetzt. Für die Herstellung der Marmortafeln und den Aufbau des Obelisken an seiner ursprünglichen Stelle war der VEB Elbenaturstein Dresden verantwortlich.18

Während man sich im Sockelbereich und bei der Säule selber sehr stark am Knobelsdorffschen Original orientierte, verzichtete man auf den Wiedereinbau der Bildnisse der letzten vier nach dem dreißigjährigen Krieg regierenden Hohenzollern. Heute sind im Potsdam Museum noch das Bildrelief des Großen Kurfürsten und jenes Friedrich Wilhelms I. erhalten geblieben. Rudolph Böhm schuf als Ersatz für die preußischen Herrscher vier Medaillons mit den Konterfeis der bedeutenden Potsdamer Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Karl von Gontard, Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius. Der neue Obelisk wurde so nicht zuletzt auch zu einem „Denkmal einer kunsthistorisch-kritischen Aneignung der preußischen Geschichte zur Zeit der DDR.“19

Die Gips-Vorlagen für die vier Architektenmedaillons schmücken heute die Wände der Bildhauerwerkstätten der Schlösserstiftung in Sanssouci.

Im Jahre 2005 erfolgte im Zusammenhang mit der Baufeldfreimachung am Alten Markt das Absenken des Platzes auf das historische Höhenniveau. Dabei musste auch der Sockelbereich des Obelisken in Anlehnung an die ursprüngliche bauzeitliche Situation wieder dreischichtig ausgebildet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Sandsteinschräge nur durch eine Reihe erkennbar. Die Arbeiten wurden von April bis Juli 2005 durchgeführt.20

Er bröckelt wieder …

Am Obelisken selbst wurden keine weiteren Maßnahmen vorgenommen, obwohl nach knapp 30 Jahren Standzeit neue Schäden aufgetreten waren. So wurden im Jahre 2009 untereinander stark verformte Bauteile festgestellt, die Fugen waren teilweise offen und bewachsen. Grund dafür war vor allem eindringendes Wasser und die Bildung von Ettringit. Erneut war der innere Kern des Obelisken zur Problemzone geworden.21

Bei weiteren eingehenden Untersuchungen im Jahre 2001 wurden massive Schäden im Fugenbereich und an den Granitblöcken festgestellt sowie Abplatzungen und starke Risse. Im Inneren des gemauerten Kerns stieß man zudem auf starke Rostschäden an den Stahlträgern sowie auf desolates Mauerwerk als Folge der inneren Feuchtigkeit. Um die Sicherheit von Passanten nicht zu gefährden, musste der Obelisk im Juli 2007 mit einem Bauzaun abgesperrt werden.

Dass eine Sanierung unumgänglich war, stand außer Frage. Die Stadt hoffte zunächst jedoch, dass allein die Obeliskstele oberhalb des massiven Sockelteils abgetragen und durch eine neue Tragkonstruktion ersetzt werden müsste.22 Nach intensiver Begutachtung wurde jedoch entschieden, den gesamten Obelisken bis auf das Sockelfundament zurückzubauen. Den Zuschlag für diese Arbeiten erhielt die Fa. Fuchs & Girke aus Ottendorf-Okrilla. Diese begann im Oktober 2013 mit dem Abtragen der Säule und errichtete diese ab März 2014 wieder neu.

Ende 2013 war der Obelisk kurzzeitig komplett verschwunden. Im Frühjahr 2014 kehrte er dann frisch renoviert und neu konstruiert zurück. Fotos: R. Leichsenring.

Nach der abgeschlossenen Rekonstruktion sorgen nun ein Kern aus Stahlbeton und auf Konsolen gelagerte, bewegliche Marmorblöcke dafür, dass schädliches Wasser aus dem Innern abgeleitet werden kann und die Lebensdauer des Obelisken deutlich steigt. Am 10. Oktober 2014 waren als erste Bestandteile des Figurenschmucks die vier antiken Herren an den Sockel zurückgekehrt. Mit der Rückkehr der Sphingen am 24. November 2014 wurde die Rekonstruktion endgültig abgeschlossen.23 Wünschen wir dem heutigen Obelisk eine lange Lebenszeit an diesem einzigartigen Stadtplatz!

1 MANGER, H.L.: Baugeschichte von Potsdam. Dritter Band. Leipzig 1987. S. 826.

2 GIERSBERG, H.-J.: Friedrich als Bauherr. Studien zur Architektur des 18. Jahrhunderts in Berlin und Potsdam. Berlin, 1986. S. 178.

3 EHLING, A; RÖPER, D.; RÜDRICH, J.: Der Kauffunger Marmor. In: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Erhaltung seltener Denkmalgesteine. Beiträge des 2. Konservierungswissenschaftlichen Kolloquiums in Berlin/Brandenburg am 14. November 2008 in Potsdam. Berlin. 2008.S. 25–36.

4 Diese und weitere Angaben zu den Kosten der Bildhauerarbeiten nach MANGER, H.L.: Baugeschichte von Potsdam. S. 826f.

5 Vgl. MANGER, H.L.: Baugeschichte von Potsdam. S. 827.

6 Die Baubeschreibung stammt aus GIERSBERG, H.-J.: Friedrich als Bauherr. S. 178.

7 Ebd. S. 179.

8 Ebd. S. 179.

9 Ebd. S. 180.

10 SANDER, T.: Katalogeintrag Nr. 44-45. In: GÖTZMANN, J.: Friedrich und Potsdam. Die Erfindung (s)einer Stadt. Katalog. München. 2012. S.111.

11 HÜNEKE, S.: Katalogeintrag Nr. 48. In: GÖTZMANN, J.: Friedrich und Potsdam. Die Erfindung (s)einer Stadt. Katalog. München. 2012. S.112.

12 Zur programmatischen Bedeutung des Fortunaportals siehe KUKE Dr., H.-J.: Eine imposante „Residenzlandschaft“ des Barock. In: Potsdamlife. Nr. 51. Potsdam. 2018. S. 8-13.

13 GIERSBERG, H.-J.: Friedrich als Bauherr. S. 178.

14 MANGER, H.L.: Baugeschichte von Potsdam. S. 827.

16 Landeshauptstadt Potsdam (Hrsg.): Faszinierender Blick. Potsdamer Veduten des 18. und 19. Jahrhunderts. Petersburg. 2017. S.62.

17 SAAL: Die Instandsetzung der Obelisken auf dem Alten Markt in Potsdam. In: Ministerium der öffentlichen Arbeiten (Hrsg.): Centralblatt der Bauverwaltung. 13. Jg. Nr. 34. Berlin 1893. S. 353.

18 Zur Wiederaufstellung des Obelisken s. VOLK, W.: Potsdam. Historische Straßen und Plätze. Berlin. 1988. S.102.

19 HÜNEKE, S.: Katalogeintrag Nr. 48. S. 112.

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